Ich baue mir ein Raumschiff 🚀
Phantastische Literatur spielt nicht in der uns allen bekannten realen Welt. Sie weicht ab. Dies können Details sein (die Handlung spielt in der Gegenwart UND es gibt magische Einhörner). Oder es ist gleich eine ganze, spezielle Version der Vergangenheit (z. B. eine dem Frühmittelalter entsprechende Welt plus Drachen und Zwerge). Oder, eher selten, in einer komplett fremden Welt (z. B. Michael Ende - die unendliche Geschichte).
Beim Prozess der Definition dieser Welten ist der Autor anfangs noch frei, muss die Welt jedoch so gestalten, dass sie schlüssig ist und idealerweise im fortschreitenden Verlauf der Handlung immer noch denselben unumstößlichen Regeln unterliegt. Je komplizierter die Welt, desto schwieriger wird das übrigens!
Bei Science-Fiction wird der Weltenbau (wie ich finde) noch eine Spur komplexer. Es gibt nicht zwangsläufig eine Basis, auf der man aufbauen kann. Da die Handlung üblicherweise in der Zukunft spielt, braucht man eine wie auch immer gestaltete Weiterentwicklung der Gegenwart als Basis. Und eine auf die Handlung abgestimmte Technologie, die a) entweder frei erfunden sein kann oder sich b) nach dem richtet, was (zumindest theoretisch) möglich ist.
Bei dem Raumschiff Themis (aus „Die siebzehnte Iteration") hatte ich eigentlich nicht vor, unnötig tief in technische und physikalische Konzepte einzutauchen. Aber (dem Konzept von Science-Fiction als wissenschaftlicher Fiktion folgend) sollte alles aus technisch-physikalischer Sicht halbwegs stimmig sein. Und damit fingen die Probleme an 😱.
Das Schiff braucht z. B. einen stimmigen Antrieb. Hier bot sich das Alcubierre-Prinzip an – die physikalisch seriöse Beschreibung genau jener Idee, die schon die gute alte Enterprise als Warp-Antrieb populär gemacht hat (Miguel Alcubierre ließ sich 1994 ausdrücklich von Star Trek inspirieren). Allerdings ist meine Vorstellung des Antriebs ein wenig rustikaler. Also nicht: „Mr. Sulu – Energie!".
Gut, jetzt haben wir einen Antrieb und eine Vorstellung davon, wie er bei uns funktioniert. Daraus resultiert, dass wir uns mit dem Thema Zeitdilatation auseinandersetzen müssen. (Ein Problem, das die Enterprise aus irgendwelchen Gründen nicht hat.)
Zu einer spürbaren Zeitdilatation kommt es, wenn sich etwas mit annähernd Lichtgeschwindigkeit bewegt. Vereinfacht gesagt, vergeht die Zeit im Raumschiff langsamer als auf seinem Heimatplaneten. Bei einer Geschwindigkeit von rund der 0,943-fachen Lichtgeschwindigkeit liegt dieses Verhältnis bei 1 : 3. Wenn also auf dem Raumschiff ein Monat vergeht, vergehen „draußen" drei Monate. Aber trifft dies auch auf den Alcubierre-Antrieb zu?
Eigentlich nicht, denn das Raumschiff bewegt sich hier eigentlich gar nicht (oder kaum), stattdessen wird der Raum vor dem Schiff gekrümmt. Also keine relativistischen Effekte? Kommt drauf an, wie das Schiff von einer Raumblase zur nächsten kommt … Ihr merkt, es geht beliebig kompliziert.
Als Autor von SciFi stößt man eigentlich pausenlos auf Probleme und Fragen, die technisch halbwegs sinnvoll unterfüttert werden müssen. Oder man ignoriert sie einfach. Geht auch und ist völlig legal. Gute Beispiele hierfür sind z. B. Frank Herbert – Dune. Oder Star Wars. Für mein Buch war dies allerdings kein Weg, hier ist die Technologie ein integraler Bestandteil der Handlung. Was dazu führte, dass immer wieder Recherchearbeit zu leisten war und sich während des Schreibens immer mehr Fakten zum Design des Raumschiffes Themis angesammelt haben.
Zieht man die Fakten letztlich wieder zusammen und stopft die eine oder andere Lücke kreativ, ergibt sich bereits genug Inhalt, um damit einen Wikipedia-ähnlichen Artikel über das Raumschiff zu erzeugen!
Daher also hier, frisch aus der Zukunft, der KIPedia-Artikel aus dem Jahr 153 n. K. über die Titan-Klasse, also jene Raumschiff-Baureihe, zu der auch die Themis gehört:
Raumschiffe der Titan-Klasse
Die Titan-Klasse (auch Titan-Baureihe) bezeichnet eine Baureihe schwerer terranischer Raumschiffe und gilt als die erste Schiffsklasse, die superluminare Reisen über beliebige Distanzen ermöglichte. Erst die Titan-Klasse erlaubte es, eine nahezu unbegrenzte Folge von Warpsprüngen aneinanderzureihen, anstatt – wie frühere Antriebe – nach jedem Sprung eine tage- bis wochenlange Abkühl- und Aufladephase einlegen zu müssen. Mit ihrer Indienststellung begann die Ära der interstellaren Sprungfahrt und die Besiedelung der ersten extrasolaren Welten.

Die Klasse umfasste fünf Einheiten, die zwischen 103 und 111 n. K. gebaut und zunächst sämtlich militärisch in Dienst gestellt wurden. Ausgelegt als bewaffnete Schwerlasttransporter und Truppenträger, dienten sie der Versorgung und Sicherung der frühen Expansion. Mit dem Aufkommen leichterer und energieeffizienterer Antriebssysteme wurde die Baureihe ab etwa 128 n. K. aus dem aktiven Flottendienst gezogen. Bis auf eine Einheit, die Themis, sind alle Schiffe der Klasse verloren.
Charakteristisch für die Titan-Klasse waren ein für seine Entstehungszeit hochentwickelter, nach heutigen Maßstäben jedoch enorm großer Fusionsreaktor, die klassentypische Einschlussspule des Sprungantriebs sowie die Fähigkeit, trotz erheblicher Größe auf Planeten mit Atmosphäre und Schwerefeld zu landen. Die Landefähigkeit ging auf eine militärische Anforderung zurück; im regulären Frachtbetrieb war das Be- und Entladen im Orbit deutlich effizienter. Die Auslegung entsprach dem Stand der frühen Sprungära: Großzügig bemessene Leistungsreserven und durchgängige Redundanz machten die Schiffe robust und ausfallsicher, ließen sie zugleich aber schwer und wartungsintensiv ausfallen.
Datenblatt
Klasse | Titan-Klasse / Titan-Baureihe | |
Typ | schwerer Militärfrachter und Truppentransporter; später ziviler Frachter | |
Herkunft | Erde (Terra) | |
Hersteller | NADS Raumwerften | |
Bauzeitraum | 103–111 n. K. | |
Gebaute Einheiten | 5 | |
Status | abgelöst; vier Einheiten verloren, eine (Themis) im Dienst (Stand 153 n. K.) | |
Antrieb | baureihenspezifischer Alcubierre-Sprungantrieb (Warp); Fusions-Haupttriebwerk sowie Manövrier- und Hubtriebwerke für Unterlichtflug und Landung | |
Reaktor | Deuterium-Helium-3-Fusionsreaktor, zylindrischer Kern, 8 m Durchmesser | |
Länge | 58 m | |
Bordschwerkraft | 0,8 g (künstlich) | |
Superluminare Kapazität | 8 Personen (Stasiskapseln); erweiterbar durch Umrüstung des Frachtraums | |
Bordintelligenz | Simulierte Intelligenz (SI) auf Plattform Singula-12 (Hersteller Noema Kognitionssysteme, nicht mehr existent); baureihenspezifische Identitätsschicht | |
Medizinsystem | autarkes Medizinsystem „Medeon" (Sanovis Medizintechnik) | |
Bewaffnung (Ursprung) | Laser-Geschütztürme, autark agierende Drohnen, Täuschkörper/Störmittel; bei Zivilschiffen entfernt | |
Landefähig | ja, triebwerksgestützt (Schwenk in die Horizontale, Bauchfahrwerk) |
Geschichte und Entwicklung
Die Titan-Klasse entstand am Übergang von der reinen Unterlicht-Raumfahrt zur Sprungfahrt. Frühere Antriebe hielten den Krümmungsraum jeweils nur für einen einzelnen, aufwendig berechneten Sprung stabil; jeder weitere Sprung setzte lange Vorbereitungs- und Regenerationsphasen voraus. Den Konstrukteuren der Titan-Baureihe gelang erstmals die fortlaufende Aneinanderreihung von Warpsprüngen (bei deutlich reduzierter Zielabweichung) und damit der Übergang von der Einzelsprung- zur Kettensprungfahrt.
Möglich wurde dies durch hohe, kontinuierlich abrufbare Energiereserven: Da die frühe Sprungtechnik je Sprung noch große Leistungsmengen benötigte, statteten die Konstrukteure die Klasse mit einem nach dem damaligen Stand großzügig bemessenen Reaktor aus. Diese Auslegung prägte die gesamte Baureihe; sie machte die Schiffe zwar schwer und wartungsintensiv, verlieh ihnen aber zugleich ihre sprichwörtliche Zuverlässigkeit.
Der Prototyp Kronos absolvierte 103 n. K. die erste dokumentierte Sprungkette. Auf ihn folgten vier Serienschiffe (105 n. K. Hyperion, 107 n. K. Helios, 109 n. K. Themis, 111 n. K. Selene). Sämtliche Einheiten wurden militärisch in Dienst gestellt und im Verlauf der Expansion als Transporter, Truppenträger und Versorger eingesetzt. Mit dem Heranreifen kompakterer Antriebe verlor die Klasse rasch an Bedeutung; ab etwa 128 n. K. wurden die verbliebenen Einheiten ausgemustert, demilitarisiert und – soweit noch einsatzfähig – an zivile Reedereien veräußert. Die Themis ging 134 n. K. an die Reederei Sternkontor Raumfracht über und steht damit, mehr als vier Jahrzehnte nach ihrem Bau, als letztes fahrendes Schiff der Klasse im Frachtdienst.
Konstruktion
Rumpf und Aufbau
Die Schiffe der Titan-Klasse waren langgestreckte Rumpfkörper mit heckseitigem Hauptantrieb. Über einem durchgehenden Metallskelett saß eine Beplankung aus Stahl und keramischen Verbundwerkstoffen, die als Mikrometeoritenschutz diente. Mit 58 m Länge zählte die Klasse zu den größten Raumschiffen, die für die Landung auf Planeten mit Atmosphäre und Schwerefeld ausgelegt wurden; der Wert markierte zugleich die obere Grenze des für diese Bauart Praktikablen.
Entlang der Längsachse gliederte sich das Schiff von vorn nach hinten in mehrere Sektionen: den vorn gelegenen Kommandostand, die Wohn- und Versorgungsebenen, den zentralen Stasisbereich, das Frachtdeck, den Maschinenleitstand sowie – ganz im Heck – den Maschinenraum, in dem der Reaktor und der Hauptantrieb untergebracht waren. Der Maschinenleitstand lag dabei räumlich getrennt oberhalb des Maschinenraums. Die Innenverbindung übernahmen Wendel- und Steiltreppen; schwere, handbetätigte Druckschotten unterteilten den Rumpf in einzeln abriegelbare Abschnitte. Der Zugang von außen erfolgte über eine vordere Druckschleuse mit mehrfach verriegeltem Innen- und Außenschott sowie über das große Schott der Ladebucht.
Die Quartiere umfassten vier Doppelkabinen für die Mannschaft sowie eine Einzelkabine für den Kommandanten. Die Ausstattung war zweckmäßig gehalten und auf Langzeitbetrieb ausgelegt.
Fracht und Nutzlast
Die Titan-Klasse beförderte Fracht sowohl innerhalb der Ladebucht als auch außen am Rumpf. Die innere Ladebucht fasste je nach Stauung bis zu achtundzwanzig ISO-Standardcontainer (20-Fuß-Äquivalent, TEU), die über das große Schott des Frachtdecks geladen und in Stellgestellen gesichert wurden.

Darüber hinaus ließen sich außen am Rumpf bis zu vier standardisierte, Sigma-System-kompatible Fracht- oder Tankmodule anbringen – darunter die Helium-3-Tanks. Wie im Schwerlastbetrieb üblich, wurden diese Module an den Außenkupplungen festgeschweißt; zum Ablegen oder im Notfall sprengte man sie über die vorgesehenen Trennladungen wieder ab – ein routinemäßiger Vorgang. Mit montierter Außenfracht war keine Planetenlandung möglich; die Module mussten zuvor abgesprengt und im Orbit zurückgelassen werden. Dies zählte zu den Gründen, weshalb der Frachtumschlag im regulären Betrieb bevorzugt im Orbit abgewickelt wurde.
Kommandostand
Der Kommandostand lag im vorderen Rumpfbereich und war fensterlos ausgeführt; Außensicht und Lageinformation lieferten Instrumente, Bodenradar und ein zentrales holografisches Projektionsfeld. Die Anlage übernahm die Hardware aus der militärischen Ursprungsversion und war auf Ausfallsicherheit unter Gefechts- und Strahlungsbedingungen ausgelegt; wesentliche Instrumente blieben daher hartverdrahtet und funktionierten unabhängig von der Bordintelligenz.
Vorn befanden sich zwei Steuerplätze mit Sidesticks für Kommandant und Kopilot. Dahinter gruppierten sich die übrigen Arbeitsplätze der Basisbesatzung: die Maschinen- und Funkkonsole, die Sprung- und Navigationskonsole sowie die Sensorikkonsole. Für die verbleibenden Mitglieder der Basisbesatzung standen zusätzliche Notsitze bereit, die bei kritischen Manövern wie der Landung besetzt wurden; im reduzierten Zivilbetrieb wurden mehrere Stationen mit Unterstützung der Bordintelligenz bedient. Die militärische Ursprungsversion verfügte darüber hinaus über eine Feuerleitkonsole für die Bordbewaffnung.
Antrieb und Sprungbetrieb
Die Titan-Klasse verfügte über mehrere voneinander unabhängige Antriebssysteme: den Alcubierre-Sprungantrieb (umgangssprachlich Warpantrieb) für die superluminare Reise, ein Fusions-Haupttriebwerk für den Unterlichtflug und das Abbremsen sowie schwenkbare Manövrier- und Hubtriebwerke, die das Schiff beim Wechsel zwischen senkrechter und waagerechter Lage sowie beim Auf- und Absetzen stützten.
Der Sprungantrieb arbeitete nach dem Prinzip der lokalen Raumkrümmung. Ein Fusionsgenerator lud eine gravitonische Speichermatrix, die die für einen Sprung erforderliche Energie zwischenpufferte. Bei deren Entladung krümmten Emitter den Raum vor dem Schiff und versetzten es in ein neues Koordinatenfenster; den Vektor, die Reichweite und das Energiefenster ermittelte zuvor der Sprungrechner.

Die ungewöhnlich große Einschlussspule des Systems galt als klassentypisches Bauteil und kam in dieser Dimensionierung ausschließlich in Schiffen der Titan-Klasse vor.
Der Reiseablauf folgte einem festen Muster aus Sprung und kurzer Normalraumphase: Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Sprüngen verharrte das Schiff jeweils nur etwa 50 bis 75 Minuten im Normalraum und bewegte sich dabei mit annähernd Lichtgeschwindigkeit. Während der Warpphasen verschoben sich Bord- und Außenzeit gegeneinander, typischerweise im Verhältnis 1:3.
Der Strahlenpuls eines Sprungs war keine Eigenheit der Titan-Klasse, sondern dem Alcubierre-Prinzip selbst geschuldet: Während des Warpflugs fängt die Raumkrümmungsblase interstellare Teilchen und Strahlung ein, die sich an ihrer Front sammeln und stark blauverschoben – also energiereich – werden. Beim Verlassen des Überlichtbereichs am Ende eines Sprungs entlädt sich dieser Vorrat als kurzer, nach vorn gerichteter Stoß hochenergetischer Teilchen und Gammastrahlung; beim Auftreffen auf Hülle und Abschirmung entsteht zusätzlich sekundäre Neutronenstrahlung. Bereits ein einzelner Sprung erreichte dabei potenziell tödliche Dosiswerte. Ein Sprung erfolgte daher ausnahmslos mit der gesamten Besatzung in den abgeschirmten Stasiskapseln; Einlagerung, Sprung und Wiederbelebung steuerte die Bordintelligenz selbsttätig.
Energieversorgung
Energetisches Kernstück war ein Deuterium-Helium-3-Fusionsreaktor mit einem zylindrischen Kern von 8 m Durchmesser, der von einem Käfig aus Kühlrippen und Versorgungsleitungen umschlossen und durch einen Ferrokeramikmantel abgeschirmt war.
Der Reaktor war nicht überdimensioniert, sondern auf die Energieanforderungen der Warp-Sprünge jener Zeit genau zugeschnitten. Im Unterlichtflug, in dem der Sprungantrieb keine Leistung abrief, lief er bei nur etwa drei Prozent seiner Nennleistung; der dort verfügbare Energieüberschuss ermöglichte die für die Schiffsgröße ungewöhnlich hohe Bordschwerkraft von 0,8 g. Mit Ausnahme des Reaktors selbst waren nahezu alle Systeme redundant ausgeführt. Als Brennstoff diente Helium-3, das in abtrennbaren, im Notfall absprengbaren Tanks mitgeführt wurde.
Bordsysteme
Die Lebenserhaltung arbeitete mit mehrfach geschlossenen Kreisläufen für Atemluft und Wasser. Die Bordschwerkraft von 0,8 g wurde durch ein künstliches Schwerefeld erzeugt; bei Planetenlandungen wurde es abgeschaltet, da der Planet das Schwerefeld stellte. Ein Trägheitsausgleich dämpfte Beschleunigungen von bis zu 10 g auf erträgliche Werte, ohne bei manuellen Landemanövern eine vollständige Kompensation zu leisten.
Ein wesentliches Merkmal der Klasse war das autarke medizinische System „Medeon" zur Gesunderhaltung der Besatzung und zur Überwachung der Stasis. Es überwachte die Vitalfunktionen der eingelagerten Besatzungsmitglieder, bestimmte Diagnosen, Dosierungen und Behandlungen und galt bordweit als alleinige maßgebliche Instanz in allen medizinischen Fragen – der „single point of truth". Steuerung und Ausführung der Bordvorgänge oblagen der Bordintelligenz; medizinische Entscheidungen holte sie jedoch stets bei Medeon ein und setzte dessen Vorgaben um.
Die Bordintelligenz war als Simulierte Intelligenz (SI) ausgeführt, wie es auch heute noch in der Raumfahrt der Standard ist. Eine SI ist im Unterschied zu einer künstlichen Intelligenz regelgebunden: Ihre Architektur gibt feste Handlungsregeln vor, weshalb SIs als sicher gelten. Technisch besteht das System aus der Basisplattform Singula-12, auf die beim Hochfahren eine Identitätsschicht geladen wird; erst diese tritt mit eigener Stimme in Erscheinung. Die SI ließ sich im laufenden Betrieb neu starten und vollständig abschalten; im abgeschalteten Zustand standen nur noch grundlegende Sensorik und Steuerung zur Verfügung.
Strahlenschutz und superluminare Kapazität
Der Schutz der Besatzung vor dem Strahlenstoß der Sprünge erfolgte über acht Stasiskapseln mit kombinierter Abschirmung: einer äußeren Lage aus schwerem, hochdichtem Material gegen Gamma- und Teilchenstrahlung und einer inneren, wasserstoff- und borhaltigen Schicht gegen die dabei entstehende sekundäre Neutronenstrahlung. Die Kapseln waren mit ihren Kopfenden sternförmig um eine zentrale Säule angeordnet. Da ein superluminarer Transport zwingend die Einlagerung in eine abgeschirmte Kapsel voraussetzte, war die Zahl der Sprungpassagiere bauartbedingt auf acht Personen begrenzt. Für die Rolle als Truppentransporter ließ sich diese Kapazität erweitern, indem der Frachtraum mit zusätzlichen Stasisgestellen ausgerüstet wurde; in dieser Konfiguration konnte die Klasse über die Stammbesatzung hinaus weitere Personen superluminar befördern.
Sicherheits- und Rettungseinrichtungen
Zur Notausrüstung zählte eine Abwurfkapsel (Rettungskapsel), die für die Basisbesatzung ausgelegt war. Sie verfügte über eigene Energieversorgung, Hydrazin- und Kaltgastriebwerke, einen Atemgasvorrat, eine manuelle Steuerung, Funk sowie Notrationen und war – wie das Gesamtschiff – auf langlebigen Militärstandard ausgelegt. In der erweiterten Truppentransport-Konfiguration war die zusätzlich eingelagerte Mannschaft durch das Rettungssystem nicht abgedeckt. Die abriegelbaren Druckabschnitte und die durchgängige Systemredundanz ergänzten das Sicherheitskonzept.
Bewaffnung und Entmilitarisierung
In ihrer Ursprungsversion waren die Schiffe der Titan-Klasse moderat bewaffnet; der Schwerpunkt lag auf Selbstverteidigung, nicht auf offensiver Schlagkraft. Die Hauptbewaffnung bildeten mehrere Laser-Geschütztürme zur Punkt- und Selbstverteidigung gegen anfliegende Flugkörper und leichte Angreifer. Ergänzt wurden sie durch autark agierende Drohnen, die das Schiff in größerem Umkreis sicherten, sowie durch defensive Täuschkörper und Störmittel. Gesteuert wurden die Systeme über die Feuerleitkonsole im Kommandostand, bei Bedarf auch durch die Bordintelligenz.
Bei der Überführung in den Zivildienst wurden die Waffensysteme ausgebaut oder dauerhaft deaktiviert; erhalten blieben lediglich bauliche Spuren wie Geschützsockel und die stillgelegte Feuerleitkonsole. Die zivilen Einheiten waren unbewaffnet und unterlagen den Betriebsstatuten der jeweiligen Reederei.
Landeverfahren
Die Planetenlandefähigkeit war eine militärische Grundanforderung an den Entwurf der Klasse. Trotz ihrer Größe konnten die Schiffe der Titan-Klasse daher auf Planeten mit Atmosphäre und Schwerefeld landen. Die Landung erfolgte rein triebwerksgestützt und ohne aerodynamische Hilfsmittel wie Tragflächen, Hitzeschild oder Gleitphase. Den Hauptteil der Bremsarbeit leistete das heckseitige Fusionstriebwerk, das das Schiff in senkrechter, heckvorausgerichteter Lage gegen die Schwerkraft abbremste. Kurz vor dem Aufsetzen schwenkte das Schiff aus der Senkrechten in die Horizontale und setzte waagerecht auf einem Fahrwerk an der Schiffsunterseite (hydraulische Federbeine) auf. Diesen Übergang und das Abfangen in waagerechter Lage übernahmen zusätzliche, schwenkbare Manövrier- und Hubtriebwerke, da das Haupttriebwerk in der Horizontalen keinen Auftrieb mehr lieferte.
Der Start verlief umgekehrt: Die Hubtriebwerke hoben das Schiff an und richteten es in die Senkrechte auf, woraufhin das Fusionstriebwerk den Steigflug übernahm. Das Verfahren war steuerungs- und energieintensiv und setzte die Besatzung hohen, nur teilweise kompensierten G-Lasten aus. Triebwerksstart und -landung hinterließen am Boden eine verbrannte, belastete Fläche.
Gebaute Einheiten
Es wurden fünf Einheiten der Titan-Klasse gebaut. Mit Ausnahme der Themis sind alle verloren.
Name | Indienststellung | Rolle | Verbleib |
Kronos | 103 n. K. | Prototyp und Leitschiff | Absolvierte die erste Sprungkette. 119 n. K. auf einem Tiefraumsprung verschollen; nie aus dem Warp zurückgekehrt. |
Hyperion | 105 n. K. | bewaffneter Truppentransporter | 122 n. K. im Gefecht zerstört. |
Helios | 107 n. K. | Schwerlast- und Versorgungstransporter | 129 n. K. nach einer Reaktorhavarie verloren. |
Themis | 109 n. K. | Militärfrachter, später entmilitarisiert | Einziges erhaltenes Schiff der Klasse; seit 134 n. K. im zivilen Frachtdienst der Reederei Sternkontor Raumfracht. |
Selene | 111 n. K. | Versorgungs- und Verbindungsschiff | 141 n. K. ausgemustert und verschrottet. |
Technische Daten
Länge | 58 m |
Bauweise | Metallskelett mit Stahl-Keramik-Beplankung |
Antrieb | baureihenspezifischer Alcubierre-Sprungantrieb (gravitonische Speichermatrix, Einschlussspule); Fusions-Haupttriebwerk sowie Manövrier- und Hubtriebwerke |
Sprungrhythmus | Sprung – ca. 50–75 min Normalraum bei nahezu Lichtgeschwindigkeit – Folgesprung |
Bord-/Außenzeit | typischerweise 1:3 |
Reaktor | Deuterium-Helium-3-Fusion, Kerndurchmesser 8 m, Ferrokeramikmantel |
Bordschwerkraft | 0,8 g |
Trägheitsausgleich | dämpft bis zu 10 g |
Strahlung pro Sprung | bereits ein einzelner Sprung potenziell tödlich; Sprung nur mit gesamter Besatzung in Stasis |
Stasiskapseln | 8 (kombinierte Abschirmung: hochdicht + wasserstoff-/borhaltig) |
Superluminare Kapazität | 8 Personen, erweiterbar durch Frachtraumumrüstung |
Frachtkapazität (intern) | bis zu 28 ISO-Standardcontainer (20-Fuß-Äquivalent, TEU) |
Externe Nutzlast | bis zu 4 angeschweißte Anbaumodule/Tanks (Sigma-System-kompatibel, absprengbar); keine Planetenlandung mit Außenfracht |
Quartiere | 4 Doppelkabinen, 1 Einzelkabine (Kommandant) |
Besatzung | 6 bis max. 8 |
Bordintelligenz | SI auf Plattform Singula-12 (baureihenspezifische Identitätsschicht) |
Rettungsmittel | eine Abwurfkapsel (eigene Energie, Triebwerke, Atemgas, Funk) |
Bewaffnung (Ursprung) | Laser-Geschütztürme, autark agierende Drohnen, Täuschkörper/Störmittel; bei Zivilschiffen entfernt |
Landung | horizontale Landung auf Bauchfahrwerk nach Schwenk aus der Senkrechten; Haupt- plus Manövrier-/Hubtriebwerke |




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